Musterkoffer – 2009

Eines meiner ersten Projekte an der Bauhaus-Universität Weimar war der „Musterkoffer“ Kurs. Ziel war es, erste Erfahrungen mit der Gestaltung von Räumen zu machen. So bekam jeder Kursteilnehmer einen identischen Koffer, dessen Inneres zu mehreren Themen immer wieder neu gestaltet werden sollte. Eines der vielen Vorbilder für den Kurs waren die „Werkbund-Kisten“ des Deutschen Werkbundes, mit denen ab 1958 in Schulen Designlehre zur „Guten Form“ abgehalten wurde. In den Kisten befanden sich zahlreiche Gebrauchsgegenstände mit einer vom Bauhaus inspirierten Formensprache, mit welchen den Kindern schon möglichst früh ein Gespür für die „Gute Form“ vermittelt werden sollte.

Der erste Koffer sollte sich als übergeordnetes Thema mit Kindheit auseinandersetzen. Da ich in meiner sehr viel Zeit damit verbracht habe mit Matchbox Autos zu spielen, setzte ich den Koffer um, den ich damals gern gehabt hätte. Ein Parkhaus zum Mitnehmen, um egal wo ich bin, Stellflächen für meine Matchbox Autos zu haben. Durch ein einfaches System lässt sich das Parkhaus im Koffer aufbauen und kann auf vier Ebenen jeder Menge Fahrzeugen einen sicheren Stellplatz bieten.

Paradies war das Thema des zweiten Koffers und ich installierte in ihm die spießige Version: das Haus am See. Von Peter Fox besungen, eine Lautsprecherbox war im Koffer verbaut, kann der Betrachter seinen blick über die kleine Idylle schweifen lassen.

Der dritte Koffer führte wieder zurück zur eigentlichen Inspiration des Kurses, denn es galt eine „Musterkiste“ zu entwerfen. Ich wählte Autofelgen als Objekte aus, schließlich wird in das Design kaum eines Autoteils so viel Energie gesteckt, wie in das der Felge. Und doch sind sie oftmals das Erste, was vom Besitzer gewechselt wird, um das Fahrzeug an seine Vorstellungen von einer guten Optik anzupassen. Ich suchte aber nach einer Präsentationsform fern von Werkstätten und Tuningshops. Dabei stieß ich auf die auf die verblüffende Ähnlichkeit einiger Modelle mit Seesternen, denn auch diese Meeresbewohner gibt es in unzähligen Formen und Farben. Also zeigte ich die Felgen in ihrem „natürlichen“ Lebensraum, dem Aquarium.